Riesige Schattendatenbank – SCHUFA speichert veraltete Daten deutlich länger

Die SCHUFA, die größte deutsche Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden, hatte erst im März 2026 ein neues Bewertungssystem vorgestellt. Dieses sollte moderner, transparenter und für Verbraucherinnen und Verbraucher besser nachvollziehbar sein.

Gemeinsame Untersuchungen von NDR und Süddeutscher Zeitung legen nahe, dass die SCHUFA personenbezogene Daten von rund 68 Millionen Menschen deutlich länger speichert als bislang bekannt. Demnach werden Daten nicht konsequent gelöscht, sondern in internen Archiven vorgehalten. Diese historischen Datensätze nutzt das Unternehmen unter anderem für Testzwecke, etwa zur Validierung und Weiterentwicklung von Score-Verfahren. Gleichzeitig werden Ergebnisse aus Tests mit alten Daten an Geschäftspartner weitergegeben. Die SCHUFA verteidigt ihr Vorgehen, die Speicherung und Nutzung der Daten sei rechtlich zulässig und diene unter anderem der Qualitätssicherung und Verbesserung von Bewertungsmodellen.

Der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte, zuständig für die Aufsicht über die SCHUFA, prüft den Vorgang bereits seit über einem Jahr. Ein abschließendes Ergebnis liegt bislang nicht vor. Aus der Perspektive des Datenschutzes ist insbesondere relevant, ob die langfristige Speicherung und intransparente Nutzung der Daten gegen geltendes Recht verstoßen. 

Die SCHUFA habe sich bislang nicht öffentlich zu möglichen Rechtsgrundlagen geäußert, sie verweist auf berechtigte Interessen von Banken und Geschäftspartnern.

Betroffene werden offenbar weder über die Existenz dieser archivierten Daten noch über deren Nutzung informiert. Auch bei Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO werden diese historischen Daten nicht offengelegt. Somit kann auch kein Löschanspruch durchgesetzt werden. Bereits der Kontrollverlust über persönliche Informationen kann einen immateriellen Schaden darstellen und Schadensersatzpflicht nach Art. 82 DSGVO auslösen. Sollte sich bestätigen, dass Daten ohne Wissen der Betroffenen gespeichert und verwendet wurden, könnte dies weitreichende rechtliche Konsequenzen haben.

zur weiteren Lektüre:

https://netzpolitik.org/2026/daten-skandal-schufa-speichert-alte-datensaetze-ueber-millionen-von-menschen/

https://www.tagesschau.de/multimedia/podcast/11km/podcast-11km-3754.html