Verbraucherschützer nehmen aktuell vermehrt Soziale Netzwerke unter die Lupe und kritisieren Datenschutzverstöße.

So hat die kanadische Datenschutzbeauftragte Jennifer Stoddart Facebook dafür kritisiert, dass laut einer Studie Nutzer ihre Profile nur deaktivieren, nicht aber löschen können. Nach kanadischem Datenschutzrecht, sei aber die Speicherung personenbezogener Daten nur erlaubt, wenn eine klare Zweckbestimmung erkennbar und der Zeitraum der Speicherung beschränkt sei. Als weiterer grober Verstoß wurde die unfreiwillige Verbreitung von Informationen über Nicht-Nutzer durch das Hinzufügen von Tags auf Bildern und Videos genannt. Des Weiteren seien die Datenschutzoptionen zu verstreut und schlecht aufzufinden. Zudem verhindere Facebook nicht, dass Dritte, die zusätzliche Anwendungen (Applications) für die Plattform entwickeln Zugriff auf die Daten der Mitglieder erhalten. Aufgrund dessen hat die Datenschutzbeauftragte nun damit gedroht ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, wenn Facebook nicht seine Datenschutzbestimmungen umfangreich überarbeitet.

In Deutschland strebt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Unterlassungsverfahren gegen die Sozialen Netzwerke MySpace, Facebook, lokalisten.de, wer-kennt-wen.de und Xing an. Sie sollen ebenfalls gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen. Kritisiert wurden hauptsächlich Regelungen zur umfassenden Datennutzung und -verarbeitung, die Nutzern bei einer Anmeldung kaum bewusst werden und deren Umfang und Auswirkungen auch später häufig nicht realisiert werden. Der vzbv mahnte an, dass sich die Sozialen Netzwerke an den internationalen Leitfaden der Datenschutzbeauftragten halten sollen.

Das Portal XING hat auf die Bedenken der Verbraucherzentrale reagiert und bereits die ersten Änderungen in AGBs eingebaut. So können Mitglieder sich an den XING-Support wenden, wenn ihre Daten nach dem Austritt aus der Community gelöscht oder anonymisiert werden sollen. Diesem Wunsch muss nun laut AGBs nachgegangen werden, selbst wenn dadurch Threads unverständlich werden. Damit erfolgt die Übertragung der Nutzungsrechte nun nicht mehr unwiderruflich.

Erfreuliches lieferten jedoch die in 2 Aufsätzen veröffentlichten Ergebnisse einer detaillierten 
Analyse 
des Datenschutzbewusstseins von Jugendlichen in Sozialen Netzwerken 
durch das Institut für Wirtschaftsinformatik der Berliner Humboldt-Uni. Es wurden über 
250 
Nutzer
 von
 Facebook 
Deutschland 
und
 studiVZ
 zu ihren Einstellungen befragt und ihre Seiten begutachtet. So zeigte sich, dass sich Nutzer der Gefahren des Internets und der Missbrauchsmöglichkeiten bewusst sind. Zwar führt dies der Studie nach nicht zu einem verminderten, wohl aber zu einem vorsichtigeren Umgang mit Sozialen Netzwerken.

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