Soziale KI-Roboter werden zunehmend in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen eingesetzt, darunter Bildung, Gesundheitswesen, Therapie, Service und öffentliche Verwaltung. Anders als klassische Industrieroboter sind sie darauf ausgelegt, gezielt mit Menschen zu interagieren. Möglich wird dies durch den Einsatz verschiedener KI-Verfahren wie Sprachverarbeitung, Bilderkennung, Emotionserkennung und maschinelles Lernen. Ziel ist es, menschliches Verhalten nicht nur technisch zu verarbeiten, sondern auch sozial angemessen darauf zu reagieren. In der Praxis übernehmen soziale Roboter bereits heute Aufgaben wie Lernbegleitung in Schulen, therapeutische Unterstützung in der Rehabilitation, Assistenz für Menschen mit Behinderungen oder kommunikative Funktionen in Serviceumgebungen. Studien zeigen, dass insbesondere in pädagogischen und therapeutischen Kontexten positive Effekte auf Motivation, Aufmerksamkeit und Interaktion beobachtet werden können. Gleichzeitig wird gesellschaftlich diskutiert, inwieweit solche Systeme menschliche Beziehungen ergänzen oder langfristig auch partiell ersetzen könnten. Mit zunehmender Autonomie sozialer KI-Roboter rücken jedoch auch ethische Fragestellungen stärker in den Fokus. Zentrale Problemfelder betreffen den Schutz der Privatheit, da viele Systeme auf der kontinuierlichen Erfassung sensibler Sprach-, Bild- und Verhaltensdaten beruhen. Auch die Gefahr emotionaler Abhängigkeit wird diskutiert, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Kindern, älteren Menschen oder psychisch Erkrankten. Hier besteht das Risiko, dass Nutzer soziale Bindungen zu technischen Systemen aufbauen, die menschliche Beziehungen zumindest teilweise überlagern.Zur systematischen ethischen Bewertung solcher sozio-technischen Arrangements werden zunehmend strukturierte Modelle herangezogen, etwa das MEESTAR-Modell. Es ordnet Anwendungen nach ihrem ethischen Sensibilitätsgrad und bewertet sie anhand zentraler Werte wie Fürsorge, Selbstbestimmung, Sicherheit, Gerechtigkeit, Privatheit, Teilhabe und Selbstverständnis. Gerade bei Systemen mit hoher Interaktionsdichte wird deutlich, dass eine rein technische Funktionsbewertung nicht ausreicht, sondern eine umfassende ethische Einbettung erforderlich ist. Befürworter sozialer KI-Roboter verweisen auf ihr Potenzial zur Entlastung von Fachkräften, zur Verbesserung individueller Förderung und zur Erweiterung therapeutischer Möglichkeiten. Kritiker hingegen heben hervor, dass soziale Interaktion nicht beliebig technologisierbar sei und dass der Einsatz solcher Systeme sorgfältig reguliert und empirisch begleitet werden müsse. Insbesondere müsse verhindert werden, dass ökonomische Effizienzüberlegungen menschliche Fürsorgebeziehungen verdrängen.
Quellen:
Bendel, O. (2018): Pflegeroboter. Daimler und Benz Stiftung; Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. Wiesbaden: Springer Gabler.
Bendel, O. (2018): Roboter im Gesundheitsbereich. In: Oliver Bendel (Hg.): Pflegeroboter. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 195–212.
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Funk, M. (2023): Computer und Gesellschaft. Roboter und KI als soziale Herausforderung. Wiesbaden. Springer Gabler.
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