Aristoteles trifft KI – White Paper des Instituts für Ethik in AI der Oxford Universität

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Aristoteles trifft KI

White Paper des Instituts für Ethik in AI der Oxford Universität

Das Institute für Ethics in AI der Universität Oxfort bringt führende Philosophinnen und Philosophen sowie andere Expertinnen und Experten aus den Geisteswissenschaften mit den technischen Entwicklerinnen und Entwicklern sowie Anwendern von KI in Wissenschaft, Wirtschaft und Regierung zusammen

Das aristotelische Rahmenkonzept – menschliche Natur, Ethik und politische Gemeinschaft

Das aristotelische Verständnis eines ethischen Lebens – Eudaimonia, also ‚gut leben und gut handeln‘ – verknüpft Wohlbefinden und Moral sehr eng miteinander Ein gelingendes Leben besteht wesentlich in einer‚Tätigkeit der Seele gemäß der Vernunft und in Übereinstimmung mit Tugend, und zwar über den Verlauf eines ganzen Lebens hinweg.

Das aristotelische Denken über Künstliche Intelligenz beruht auf drei eng miteinander verknüpften Grundideen:

•        Ethik befasst sich mit dem menschlichen Gedeihen (Well-being) – sowohl dem des Einzelnen als auch dem von Gemeinschaften – und damit, was wir anderen schulden, einschließlich Menschen außerhalb unserer Gemeinschaft sowie nichtmenschlichen Wesen.
Um gedeihen zu können, müssen Menschen ihre grundlegenden Fähigkeiten frei entfalten können:

•        Sozialität: Wir sind stark voneinander abhängig und brauchen soziale Kooperation.

•        Vernunft: Die Fähigkeit, Überzeugungen, Emotionen und Entscheidungen an rationalen Urteilen auszurichten.

•        Kommunikation: Sprache und andere Formen symbolischer Ausdrucksweisen.

•        Gesellschaftliche Organisationsformen (Institutionen, Normen) und Technologien, die diese Fähigkeiten stärken, fördern menschliches Gedeihen; solche, die sie beeinträchtigen, schaden ihm.

KI-Systeme als intelligente Werkzeuge. Aus dem aristotelischen Ansatz folgt eine positive Vision von KI: KI-Systeme sollen als „intelligente Werkzeuge“ verstanden, entwickelt und eingesetzt werden, das menschliche Gedeihen auf individueller und gemeinschaftlicher Ebene unterstützen.

Der aristotelische Rahmen kann als Leitbild für die nationale und internationale Regulierung von KI dienen – etwa durch Gesetze, Soft Law wie die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder branchenweite Verhaltenskodizes.

•        Zentrale Punkte:

•        Begrenztheit des Ansatzes „Sicherheit“ als alleinige Grundlage für Regulierung.

•        Der aristotelische Rahmen ist den drei heute dominierenden Modellen der Digitalregulierung überlegen:

•        dem staatszentrierten Ansatz Chinas Stärke: Koordination für Gemeinwohl. Schwäche: Autoritarismus, fehlende Partizipation

•        dem marktorientierten der USA, Stärke: Innovation, Effizienz Schwäche: Wealth Maximization als einziger Maßstab

•        dem rechtsbasierten Modell der EU, Stärke: Schutz individueller Rechte. Schwäche: Rights allein unvollständig

•        Eine umfassende KI-Governance integriert legitime Elemente aller drei Ansätze in einen kohärenten ethischen Rahmen

Quellen: https://www.oxford-aiethics.ox.ac.uk/sites/default/files/2024-06/Aristotle%20and%20AI%20White%20Paper%20-%20June%202024.pdf