KI und Ethik – Ausgleichsabgabe KI

Der Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen nimmt seit einigen Jahren deutlich zu und prägt zunehmend zentrale Bereiche der Arbeitswelt. KI-basierte Systeme werden in der industriellen Produktion, in der Logistik, in der Verwaltung sowie im Dienstleistungssektor eingesetzt, um Prozesse zu automatisieren, Entscheidungen zu optimieren und Kosten zu senken. Dabei übernehmen intelligente Systeme Aufgaben, die zuvor von menschlichen Arbeitskräften ausgeführt wurden. Diese Entwicklung gilt vielfach als Ausdruck technologischen Fortschritts, wirft jedoch zugleich grundlegende ethische und gesellschaftliche Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf Beschäftigung und soziale Sicherungssysteme. Empirische Studien zeigen, dass Automatisierung und KI zunehmend auch qualifizierte Tätigkeiten betreffen. Für viele Beschäftigte bedeutet dies Arbeitsplatzverlust, Einkommensunsicherheit oder den Zwang zur beruflichen Neuorientierung. Gleichzeitig sinkt mit der Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter die Beitragsbasis der Renten- und Sozialversicherungssysteme. Da diese Systeme auf lohnabhängigen Beiträgen beruhen, entsteht langfristig ein strukturelles Finanzierungsproblem.

Vor diesem Hintergrund wird diskutiert, ob Unternehmen, die Arbeitskräfte durch KI ersetzen, stärker in die Verantwortung genommen werden sollten. In der wissenschaftlichen Debatte finden sich Konzepte wie eine Robotersteuer oder eine KI-bezogene Ausgleichsabgabe. Ziel ist es, einen Teil der durch Automatisierung entstehenden Produktivitätsgewinne zur Stabilisierung sozialer Sicherungssysteme zu nutzen, etwa zur Finanzierung von Renten oder Umschulungsmaßnahmen. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass auch maschinelle Wertschöpfung einen Beitrag zum gesellschaftlichen Solidarprinzip leisten sollte. Aus ethischer Perspektive berührt diese Diskussion Fragen der Gerechtigkeit und Verantwortung. Befürworter argumentieren, dass Unternehmen, die von KI profitieren, auch für deren soziale Folgen Verantwortung tragen sollten. Kritiker warnen hingegen vor einer möglichen Innovationshemmung und verweisen auf die Schwierigkeit, den tatsächlichen Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und Arbeitsplatzverlust eindeutig zu bestimmen.

Insgesamt zeigt die Debatte, dass der Einsatz von KI nicht allein eine technische oder ökonomische Entscheidung darstellt, sondern eine normative Frage der gesellschaftlichen Gestaltung ist. Die Frage nach Sozialabgaben für durch KI ersetzte Arbeitskräfte verdeutlicht, dass technischer Fortschritt und soziale Sicherheit gemeinsam gedacht und politisch ausgehandelt werden müssen.

Quellen: 

Acemoglu, D., Restrepo, P. (2020): Robots and Jobs: Evidence from US Labor Markets. Journal of Political Economy. Chicago: University of Chicago Press.

Brynjolfsson, E., McAfee, A. (2014): The Second Machine Age: Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies. New York: W. W. Norton & Company.

Oberson, X. (2017):Taxing Robots? From the Emergence of an Electronic Ability to Pay. World Tax Journal, Vol. 9(2). Amsterdam: IBFD.

Europäische Kommission (2020): White Paper on Artificial Intelligence – A European Approach to Excellence and Trust. Brüssel: Europäische Union.

Hirsch-Kreinsen, H. (2016): Digitization of Industrial Work: Development Paths and Prospects. Journal for Labour Market Research. Berlin: Springer.