Was klingt wie eine Zukunftsvision aus dem Film „Minority Report“ ist in den letzten Jahren mehr und mehr zur Wirklichkeit geworden: Kriminalitätsbekämpfung mit Hilfe von Algorithmen, die Straftaten bereits vor ihrer Begehung vorhersagen können. Durch die Analyse von Faktoren wie statistischen, mathematischen, sowie kriminologischen und geografischen Daten können Hypothesen für neue Ziele erstellt werden. Dies kann nicht nur für Wohnungseinbruchsdiebstähle, sondern auch für Schießereien, Autodiebstähle oder Raubüberfälle genutzt werden.

Mittlerweile sind die entwickelten Programme so weit fortgeschritten, dass sie in der Praxis angekommen sind und in ersten Pilotprojekten in Deutschland erprobt werden (in den USA werden solche Algorithmen schon seit längerem in breitem Umfang genutzt). So berichtete das bayerische Innenministerium bereits im Sommer 2015, dass in Gebieten, die mit einer entsprechenden Software überwacht worden sind, die Anzahl der Einbrüche um über 40% gesunken ist. Nun überlegen immer mehr Bundesländer eine ähnliche Software zu Zwecken der Prävention und Strafverfolgung zu benutzen.

Hiergegen wurde in der letzten Zeit jedoch die Kritik immer lauter. So äußerte der Justizminister Heiko Maas in der vergangenen Woche auf der Konferenz „Digitales Leben“ massive Zweifel: „Im Bereich der Polizeiarbeit oder Strafverfolgung können die Folgen von algorithmischen Fehlern für die Betroffenen verheerend sein“. In der Wissenschaft werden Probleme bei dem Einsatz solcher Algorithmen vor allem im Datenschutz und die tiefe Involvierung privater Unternehmen bei der Entwicklung der entsprechenden Programme. Eine weitere Frage ist, inwieweit Algorithmen über Schicksale von Menschen entscheiden sollen. In den USA hängen mittlerweile die Schicksale vieler Gefängnisinsassen von Algorithmen ab, die aufgrund der gegebenen Daten über eine Rückfallgefahr und ähnliches entscheiden. Es scheint zweifelhaft, dass solch weitreichende Entscheidung in näherer Zukunft in Deutschland aus der menschlichen Hand gegeben werden dürfen. Es wird noch viel Arbeit brauchen, bevor die Verbrechensbekämpfung mit Hilfe von Algorithmen in Serie gehen kann.

 

Quellen:

http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/vorhersage-software-einbruch-algorithmus-polizei-minority-report-personenbezogenen-daten/

http://www.taz.de/!5267713/

http://www.deutschlandfunk.de/algorithmen-im-us-justizsystem-schicksalsmaschinen.1247.de.html?dram%3Aarticle_id=385478

http://www.zeit.de/2014/41/polizei-algorithmen-predictive-policing